Tagung 2014

Rückblick auf die Tagung

Rund 130 KoordinatorInnen von Freiwilligenarbeit aus verschiedenen Institutionen nahmen an der Fachtagung vom 14. November in Olten teil, die der Kernfrage Motivation oder Qualität in der Freiwilligenarbeit gewidmet war.

Den Einstieg am Morgen machte Herbert Ammann, bis 2013 Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, mit einer Präsentation zum Thema Erfolgsmerkmale für gemeinnützige Organisationen. Er stellte eine Reihe von Faktoren vor, die für den Erfolg ausschlaggebend sind: Gesunde Finanzlage, Prestige, « Kundschaft », zufriedene Mitarbeitende und Leitende, Möglichkeit nicht nur Mitarbeitende sondern auch Kunden zu wählen (welche Pensionäre in einem Heim?), weder Fluktuationen noch Konflikte… Die erwähnten Faktoren sind so breit gestreut, dass sich daraus unweigerlich Widersprüche ergeben. Deshalb müssen Institutionen Prioritäten setzen und so eine Art Erfolgshierarchie schaffen. Der Gemeinnutzen prägt die gesamte Organisation der NPO (Non Profit Organisations), vom Entgelt bis zur Beschlussfassung. Dabei kommen auch immer demokratische Elemente ins Spiel. Die meisten NPO werden hauptsächlich von Freiwilligen getragen, einzig einige der grössten Organisationen haben auch bezahlte Fachpersonen « an der Front ». Herbert Ammann wünschte abschliessend allen Teilnehmenden dass sie es schaffen, sich im Labyrinth der Erfolgsfaktoren zurecht zu finden und künftige Entwicklungen – vor allem auf gesellschaftlicher Ebene und möglichst in einem Zeitrahmen von 15 Jahren – zu antizipieren, da dies für eine gemeinnützige Organisation von entscheidender Bedeutung sei. 

Radikaler Szenenwechsel beim zweiten Referat mit Frau Zahra Darvishi, der Leiterin des Corporate Citizenship Programm der Credit Suisse. Sie stellte das Corporate Volunteering vor, dank dem Credit Suisse ihren Angestellten die Möglichkeit bietet, sich an Projekten von gesellschaftlichem Nutzen zu beteiligen. Die Einsätze können einen Tag bis mehrere Monate dauern und die verschiedensten Bereiche abdecken: Finanzielle Beratung, Mentoring für junge Studenten, Pakete sortieren für die Aktion Zweimal Weihnachten, Holzfällen im Berggebiet, Einsatz bei Sportanlässen oder im Spital u.s.w. Im Lauf der Jahre hat die Credit Suisse mit verschiedenen anerkannten NPO, so auch dem Roten Kreuz, Partnerschaften geschlossen und stellt ihnen jeweils « Freiwillige » zur Verfügung. Zahra Darvishi findet es wichtig, dass Kaderleute und Mitarbeitende der Bank die Gelegenheit erhalten, ein Milieu ausserhalb der Finanzwelt kennen zu lernen, um so ihr Weltbild zu erweitern. Dies lohnt sich in doppelter Hinsicht: Für die Institutionen und die unterstützten Projekte, welche von kompetenten und motivierten Mitarbeitenden unterstützt werden – die Teilnahme der Mitarbeitenden von Credit Suisse ist nie Pflicht –  sowie für die Bank, die so ihre Verankerung im Land sichtbar macht, indem sie jedes Jahr rund 65'000 Stunden Gratisarbeit « verschenkt ».  Hier hoben einige TeilnehmerInnen hervor, dass der Begriff « Freiwillige » in diesem Fall nicht angemessen sei, da er eigentlich Personen vorbehalten sei, die ihren Einsatz ohne Entgelt leisten. Die Credit Suisse bezahlt ja ihre Mitarbeitenden, die sich ohne Lohnausfall während ihrer Arbeitszeit für gemeinnützige Projekte engagieren. Keine Freiwilligenarbeit also, sondern ein Geschenk eines Unternehmens, das mit viel Humor mit dem „trojanischen Pferd“ verglichen wurde: Man kann sich zwar über die Grösse und die Art des Geschenks streiten; es bleibt jedoch immer ein Geschenk!

Das dritte Referat zum Thema „Motivation und Qualitätsansprüche in der Freiwilligenarbeit. Kein Widerspruch!“ entfiel, da Sibylle Studer wegen eines Unfalls leider kurzfristig absagte.

Nach der Mittagspause, die gerne benutzt wurde, um Kontakte zu knüpfen, folgten fünf verschiedene Workshops. Jede/r wählte zwei verschiedene Workshops, die von Personen mit Erfahrung in der Begleitung von Freiwilligen geleitet wurden. Im Spannungsfeld zwischen Motivation für einen guten Zweck, persönlicher Bereicherung und Erwartungshaltung, Dilettantismus und Hochkompetenz haben Institutionen keine einfache Aufgabe zu bewältigen : Rekrutieren, begleiten, ausbilden, bei der Stange halten,  die Freiwilligen « kanalisieren » und ihnen gleichzeitig Spielraum zu lassen, damit sie interessiert bleiben und in ihrem Engagement einen Sinn sehen. Gewisse Organisation haben ein regelrechtes Freiwilligenmanagement aufgebaut, das sicher auch Anderen zur Inspiration dienen kann. Genau das ist auch eines der Ziele, die das Schweizerische Netzwerk freiwillig.engagiert verfolgt.

Zum Abschluss beteiligten sich die ReferentIn und die Workshopleitenden an einem Podiumsgespräch, bei welchem einige Fragen nachgegangen wurden, die im Laufe der Tagung  aufgetaucht waren.

Die Referate der Tagung, Materialien aus den Workshops und einige Fotos der Tagung sind aufgeschaltet auf: www.netzwerkfreiwilligengagiert.ch/de/tagung_2014/